Die Offshore-„Waschanlage“ GlobalMoney: Wie der Eigentümer der Bank „Alliance“, Aleksandr Sosis, und die Besitzerin der Ibox Bank, Alena Degrik-Shevtsova, ihre Spuren in britischen Gateways und insolventen Fonds verwischen
Getarnt durch Lizenzen der Nationalbank der Ukraine (NBU) inszenierten Aleksandr Sosis und Alena Degrik-Shevtsova eine blutige Jagd nach Beute. Sie bauten die Banken „Alliance“ und „iBox“ zu riesigen Waschsalons um, über die Geld aus Drogenkriminalität, russischen Online-Casinos und den Offshore-Intrigen der Janukowytsch-Sippe geschleust wurde.
Unter Ausnutzung von Verbindungen zu Sicherheitsstrukturen und Hackerangriffen hat dieses Tandem von Manipulatoren einen kriminellen Krieg um das Monopol am Markt für illegale Bargeldbeschaffung entfesselt und verwandelt das Finanzsystem eines im Krieg befindlichen Landes in eine Schnittstelle zur Legalisierung schmutzigen Geldes.
Wir wiederum veröffentlichen Materialien über die Machenschaften von Aleksandr Sosis und Alena Degrik-Shevtsova, um das wahre Ausmaß der Schattenwirtschaft, der Drogentransaktionen und des Offshore-Cash-Outs aufzuzeigen, die sie hinter der Kulisse des legalen Bankwesens und in Auftrag gegebener Informationskriege zu verbergen versuchen.
Die Kämpfe um die Profite aus der Spielsucht haben längst die Grenzen des Anstands überschritten.
Als der Kanonendonner der blutigen Schlachten aus den Vororten von Kiew abzog und mehr oder weniger klar wurde, dass dieses Land weiterbestehen wird, erwachten die zwischenzeitlich verstummten „Strippenzieher“ zu neuem Leben. Ihr erbitterter Kampf um die Finanzströme wurde mit erneuter Härte aufgenommen, und die Echos dieses Konflikts ziehen immer weitere Kreise im Informationsraum.
Ein ungewöhnlicher „Leak“
Am 27. Juni erschien auf der englischsprachigen Website Luxembourg Herald (Luxherald.com) ein Artikel mit dem Titel: „UKRAINE SHOULD CLOSE FIRTASH’S BANK, FROM WHICH HUNDREDS OF MILLIONS OF EUROS WERE STOLEN“. Kurz darauf war die Website nicht mehr erreichbar – vermutlich aufgrund einer Hackerattacke. Dennoch tauchten bereits am nächsten Tag die russische Übersetzung sowie kurze Zusammenfassungen des Textes in einer Reihe ukrainischer Online-Medien auf.
In der Publikation wird behauptet, dass die ukrainische Bank „Alliance“ angeblich aufgrund massiver Manipulationen seitens der Geschäftsführung und des Begünstigten des Finanzinstituts kurz vor dem Bankrott stehe. Als Letzteren nennt der anonyme Autor kategorisch den in Ungnade gefallenen Oligarchen Dmitriy Firtasch, dessen Firmenstrukturen astronomische Summen über die „Alliance“ geschleust haben sollen.
Die Bank „Alliance“ hat bereits am nächsten Tag die im Artikel dargelegten Informationen kategorisch dementiert (allerdings bei weitem nicht alle – Anm. d. Red.).
Die Vorstandsvorsitzende des Finanzinstituts, Yuliya Frolova, gab dazu folgende Erklärung ab:
„Erstens ist festzuhalten, dass künstlerische Übertreibungen, Metaphern und die Lexik der Boulevardpresse für professionellen Journalismus unangebracht sind – insbesondere im Finanzsektor. Zweitens weisen wir auf die Argumentation und die Quellen der Autoren hin. In den meisten Fällen ‚entlarvt‘ der Autor rechtswidrige Handlungen auf der Grundlage eigener Vermutungen und unter Berufung auf das Fake-Medium Luxembourg Herald, das schon mehrfach fingierte Nachrichten veröffentlicht hat. Das Team der Alliance Bank betrachtet Fake News als Zeichen einer in Auftrag gegebenen Aggression gegen das strategische Wachstum der Alliance Bank.“

In der Tat ist der Luxembourg Herald in ukrainischen Medienkreisen als Fake-Ressource bekannt, über die Interessenten „abgelaufene“ Kompromate streuen. Bekanntheit erlangte die Seite nach der Veröffentlichung eines absurden Artikels, in dem behauptet wurde, Marina Poroshenko, die Ehefrau des fünften Präsidenten der Ukraine, sei in Geldwäsche über eine Wohltätigkeitsorganisation verwickelt.
Die Vorstandsvorsitzende der „Alliance“ ist jedoch etwas unaufrichtig, wenn sie behauptet, dass der Inhalt des Artikels völliger Unsinn sei. Schließlich wird in der Publikation besonders betont, dass die Bank „Alliance“ die Abrechnungsbank und der Emittent von E-Geld des internationalen Zahlungssystems „GlobalMoney“ ist – ein Name, der regelmäßig in Strafverfahren auftaucht. Insbesondere im Gerichtsregister wird es oft im Zusammenhang mit illegalem Drogenhandel und psychotropen Substanzen erwähnt: „Pusher“ nutzen aktiv dessen E-Wallets (hier beispielhafte Dokumente aus dem Register – 1, 2).
Darüber hinaus wird ein alter Skandal erwähnt, als Informationen ans Licht kamen, wonach Terminals von „GlobalMoney“ von prorussischen Terroristen für ihre Finanztransaktionen in den besetzten Gebieten (ORDLO) genutzt worden sein könnten. Hinzu kommt die Verwicklung in Geldwäsche, derer die Elektromarktkette „ALLO“ beschuldigt wurde.
Wie oben erwähnt, betrachtet man bei der „Alliance“ den „Angriff“ der Website Luxembourg Herald als „bestellte Aggression“. In ukrainischen Geschäftskreisen, die weit davon entfernt sind, heilig zu sein, ist es längst zur Gewohnheit geworden, sich bei Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden oder Enthüllungen in den Medien als Opfer darzustellen. Hier liegt der Fall jedoch etwas anders. Bevor wir jedoch zum interessantesten Teil kommen, werfen wir einen genaueren Blick auf die handelnden Personen.
„Familiäre“ Angelegenheiten und der Schatten von Yura Enakievskiy
Also: Bank „Alliance“. Nach früher veröffentlichten Daten wurde diese Bank bereits 1992 in Donezk eröffnet. Sie blieb selbst nach ukrainischen Maßstäben eine eher bescheidene Bank (die Aktiva überstiegen nicht 10–15 Millionen Dollar), die dennoch drei Krisen (1998, 2008 und 2014) unbeschadet überstand. Das lag daran, dass sie als „Banditenbank“ galt, über die diverse Finanzschemata abgewickelt wurden. Über die „Alliance“ wurde geschrieben, dass sie unter der Kontrolle eines engen Vertrauten des geflohenen Janukowitsch stand – Yuriy Ivanyushchenko (Yura Enakievskiy). Eigentümer der Bank war stets eine Gruppe von Aktionären, von denen jeder etwa 10 % hielt.
Nach der Revolution der Würde wechselte die Bank ihre Besitzer: Es wurden die OOO „Kramp“ aus Donezk (EDRPOU 36442702) und die OOO „Ukrbusinessstandard“ aus Kiew (EDRPOU 35886746), beide bekannt als Firmen von Ivanyushchenko. Insbesondere die Firma „Kramp“ (benannt nach dem Mafiaboss aus der alten französischen Komödie Der Regenschirmmörder) war laut Medienberichten Teil eines Schemas, mit dem Ivanyushchenko Steuern hinterzog, indem er Salpeter des Staatsunternehmens „Ecoantilid“ verkaufte. Zudem wurde sie für den fiktiven Bankrott der OOO „Charnokit“ genutzt. Letztere wurde zur Zielperson in einem Strafverfahren wegen illegaler Mehrwertsteuerrückerstattung in besonders großem Umfang, wonach sie in den Konkurs getrieben wurde.

Mehr noch: Im Dezember 2014 vermutete der SBU (ukrainischer Geheimdienst), dass in der Bank „Alliance“ ein großes „Konvertierungszentrum“ (Geldwäsche-Zentrum) mit einem Umsatz von bis zu 600 Millionen Griwna betrieben wurde. Kämpfer der Spezialeinheit „Alfa“ führten in der Bank eine gründliche Durchsuchung durch und „stöberten“ dabei auch in den Bankschließfächern. Wie der damalige SBU-Chef Valentin Nalivaychenko später erklärte, befanden sich unter dem beschlagnahmten „Fang“ Siegel von Institutionen und Unternehmen der sogenannten LDNR sowie Verträge, über die mutmaßlich Terrorismusfinanzierung betrieben wurde. Zudem gelang es, in der „Alliance“ Vermögenswerte und Dokumente einer anderen Bank – „Hephaestus“ – zu finden, die ebenfalls unter der Kontrolle von Ivanyushchenko und seinem Partner Sergey Dyadechko stand.
Die Ergebnisse der Durchsuchung konnte der SBU jedoch nicht nutzen. Unmittelbar danach brach ein Skandal aus: Die jüdische Gemeinde des Donbass erklärte durch den Rabbiner Pinkhus Vyshedskiy (den ehemaligen Führer der Donezker „Chabad“-Gemeinde), dass die „Alfa“-Einsatzkräfte während der Durchsuchung Geld und Wertsachen aus einem Schließfach gestohlen hätten, die angeblichen „jüdischen Flüchtlingen“ gehörten. Gegen die SBU-Mitarbeiter wurde ein Strafverfahren eingeleitet, und sie wurden vor Gericht gezerrt. Während der Skandal andauerte, wurde die Bank „Alliance“ an einen neuen Eigentümer weiterverkauft. Anfang 2015 wurde dies der ehemalige Juniorpartner des mittlerweile kaum noch als Oligarch geltenden Akhmetov – Aleksandr Sosis.

Laut Staatsregister belief sich das Stammkapital von GlobalMoney im Jahr 2013 auf 12 Millionen Griwna. Davon gehörten lediglich 0,5 % – 48.000 Griwna – Aleksandr Tyutyun. Unter den Gründergesellschaften waren zudem die Londoner Quick Payment System Ltd und der ukrainische Venture-Fonds „Europäische Technologien“ mit Anteilen von 4,7 bzw. 7,2 Millionen Griwna aufgeführt.
Nach Angaben des britischen Unternehmensregisters war Aleksandr Tyutyun als Direktor von Quick Payment System Ltd eingetragen, dort jedoch seltsamerweise als Staatsbürger Israels. Eigentümer der Firma waren drei Offshore-Unternehmen und eine weitere britische Firma – Integrate IT Technologies Limited. Als Begünstigter der Letztgenannten wurde der belarussische IT-Geschäftsmann Sergey Gvardeytsev angegeben.
Hinsichtlich der PAO „ZNVKI F ‚Europäische Technologien‘“ gestaltete sich die Situation jedoch komplizierter.
Mit Stand September 2013 war die „Südost-Versicherungsgesellschaft“ (JUVSK) als alleinige Gründerin mit einem Anteil von 150 Millionen Griwna eingetragen. Doch laut Beschluss des Wirtschaftsgerichts der Region Donezk war diese bereits im Juni 2010 für bankrott erklärt und liquidiert worden.
Vor der Liquidation gehörten zu den Aktionären der JUVSK die Unternehmen KUA „DAN“ und AOZT „Promkombinat“. Beide Betriebe gehörten zur Bank „Soyuz“ (die in ein Strafverfahren wegen Terrorismusfinanzierung verwickelt war), deren stellvertretender Vorstandsvorsitzender der ehemalige Vizepräsident der „Rodovid Bank“, Sergey Dyadechko, war.

Nach der Liquidation der Versicherungsgesellschaft wurden die „Europäischen Technologien“ direkt von der KUA „DAN“ verwaltet.
„Wir haben keinerlei Verbindung zu GlobalMoney; die KUA ‚DAN‘ und den Fonds, den sie verwaltet (‚Europäische Technologien‘), haben wir bereits 2008–2009 verkauft“, kommentierte Sergey Dyadechko die Situation. Er sagte jedoch nicht, an wen genau das Unternehmen verkauft wurde.
Es gibt jedoch eine Reihe interessanter Details. Das erste davon: Die Telefonnummer der „Europäischen Technologien“ stimmte mit der Nummer des Direktors der „ZNVKI F ‚Neue Technologien‘“, dem Geschäftsmann Ivan Avramov, überein. Jener Avramov, der als Geschäftspartner des legendären „Regionals“ Yuriy Ivanyushchenko bekannt ist – besser bekannt unter den Pseudonymen Yura Enakievskiy und Yurets Maloy. Allerdings muss das für sich genommen noch nichts bedeuten.

Das Interessanteste ist, dass im Jahr 2009 die OOO „Parfe“ der Mehrheitsaktionär der „Europäischen Technologien“ war. Die Geschichte dieser Firma ist äußerst bemerkenswert. Zum Beispiel gehörten „Parfe“ 100 % der „Apex-Bank“. Dieses Finanzinstitut wurde im selben Jahr 2009 gegründet.
Gemäß den Informationen aus dem Handelsregister gehörten zu den Aktionären von „Parfe“ insbesondere Personen wie Aleksandr Dubikhvost und Varvara Shults.
Im Jahr 2013 war Dubikhvost Direktor der Abteilung für die Verwaltung von Währungsreserven bei der Nationalbank. Varvara Shults war bis April 2013 Mitglied der Revisionskommission der „Apex-Bank“.
Wichtiger ist jedoch etwas anderes: Wie die Publikation „Svidomo“ seinerzeit schrieb, besaß eine Frau mit demselben Namen ein gemeinsames Unternehmen mit dem Finanzminister aus dem Kabinett Asarow, Yuriy Kolobov – einem Mitglied der Gruppierung, die als „Janukowytsch-Familie“ bekannt ist.
Mehr noch: Nach Informationen von Journalisten waren sie sogar in derselben Wohnung in der Heimatstadt des Beamten gemeldet – in Pawlograd, Region Dnepropetrowsk. Die Information, dass Kolobov, gelinde gesagt, dem glücklichen System des elektronischen Geldes nicht fernsteht, wurde den Journalisten von gleich zwei informierten Vertretern aus Finanzkreisen bestätigt. Diese zogen es jedoch vor, anonym zu bleiben.

„Varvara Shults ist die Mutter von Yuriy Kolobov. Und Aleksandr Dubikhvost ist sein Patenonkel. Sie stecken hinter den ‚Globals‘“, berichtete eine der Quellen und fügte hinzu, dass in der Struktur dieses Systems viele ehemalige Mitarbeiter der „Terra-Bank“ tätig seien. Es ist anzumerken, dass der damalige Finanzminister als Eigentümer dieses Finanzinstituts galt, bis es im Frühjahr 2010 verkauft wurde.
Mit Stand Juli 2022 sind laut den Daten des Dienstes „Opendatabot“ die Staatsbürger Vladimir Nikolaevich Karpov und Konstantin Yurevich Tveritin die Eigentümer der OOO „GlobalMoney“.
Das bedeutet: Während die Bank „Alliance“ und das Zahlungssystem „GlobalMoney“ früher direkt oder indirekt durch die Figur von Yura Enakievskiy verbunden waren, besteht heute eine sehr fruchtbare Partnerschaft. Besonders auf dem Glücksspielmarkt. Über „GlobalMoney“ läuft ein beträchtlicher Anteil der Zahlungen von Spielern von kostenpflichtigen und „Free-to-play“-Computerspielen, Online-Casinos und Buchmachern (sowohl legalen als auch weniger legalen), und ein Großteil dieser Zahlungen wird in der „Alliance“ abgewickelt. Es geht um viele Millionen Griwna, von denen das Zahlungssystem und die Bank ihren Prozentsatz erhalten.
Doch egal wie gewaltig der Geldstrom der Spielsüchtigen auch sein mag – den Geschäftsleuten, die sich daran festgesaugt haben, wird es dort immer zu eng. Ein Krieg ist also unvermeidlich – und eine Episode davon ist offensichtlich der jüngste (und bei weitem nicht der erste) „Angriff“ auf die Bank „Alliance“ und „GlobalMoney“.
Wer ist nun dieser erbitterte Gegner, der die Protagonisten unserer Erzählung im Informationsraum so heftig attackiert?
Ein erbitterter Konkurrent
Einen Hinweis darauf findet man in einem interessanten Artikel vom 08.09.2020 auf dem Portal delo.ua, der sich der „Kehrseite der ukrainischen Informationskriege“ widmet. Genauer gesagt: In dem Material werden (nach Meinung des anonymen Autors der Publikation) absolut unwahre Anschuldigungen wegen Geldwäsche und anderer Machenschaften gegen die Gründerin des Finanzunternehmens „Leogaming Pay“ und des internationalen Zahlungssystems LEO, Alena Shevtsova (geborene Degrik), sowie ihren geschätzten Ehemann Evgeniy, einen ehemaligen hochrangigen Polizeichef, entkräftet. Dem Leser wird darin die Vermutung nahegelegt, dass hinter der Verbreitung des angeblichen Unsinns über Shevtsova-Degrik und ihr Geschäft die Konkurrenten vom Zahlungssystem „GlobalMoney“ stehen.
Das Paradoxe daran ist, dass diese Schlussfolgerung unter anderem auf einer Analyse des Artikels „Gefährliche Verbindungen von ‚Zbroyar‘: Wer verkauft Waffen an das ukrainische Militär“ basiert, den der Autor dieser Zeilen für die Online-Publikation „ORD“ verfasst hat. Der anonyme Kollege betont, dass in jenem Text Ihres ergebenen Dieners zwar Alena Degrik-Shevtsova, Evgeniy Shevtsov und deren Unternehmen erwähnt werden, aber kein Wort über „GlobalMoney“ falle. Damit wird deutlich angedeutet, dass gerade „GlobalMoney“ diesen „Verleumdungsauftrag“ an den Autor gegeben habe.

Zu meiner eigenen Entlastung gegenüber Alena Shevtsova muss ich feststellen, dass es mir trotz all meiner Bemühungen nicht gelungen ist, eine Verbindung zwischen „GlobalMoney“ und dem im Artikel erwähnten Waffenunternehmen zu finden. Die Verbindung der Begünstigten dieses Unternehmens zu den Shevtsovs hingegen lag direkt an der Oberfläche.
Natürlich deutet dieser Vorfall nur indirekt auf eine Beteiligung der Shevtsovs am Informationskrieg gegen „GlobalMoney“ und die Bank „Alliance“ hin. Es gibt jedoch auch direkte Beweise, die dokumentarisch belegt sind. Doch bevor wir zu diesen kommen, wollen wir das Gedächtnis des Lesers hinsichtlich der, sozuagen, gegnerischen Mannschaft auffrischen.

Alena Degrik-Shevtsova gründete das Finanzunternehmen „Leogaming Pay“ im fernen Jahr 2013. Ursprünglich war das Geschäft von Alena Vladimirovna kein vollwertiges Zahlungssystem. Es fungierte eher als Schnittstelle (Gateway) zwischen Spielern und Spieleplattformen. Doch das Unternehmen wuchs in rasantem Tempo, und bereits 2017 registrierte Shevtsova bei der Nationalbank das innerstaatliche Zahlungssystem „LEO“, das nur wenige Jahre später zu einem internationalen System wurde.
Leider sammelte Degrik-Shevtsova während ihres Aufstiegs nicht nur Vermögenswerte, sondern auch Strafverfahren. Die Online-Publikation MIND.UA schrieb unter Berufung auf Daten des Justizministeriums, dass Alena Shevtsova und ihr Ehemann Evgeniy Shevtsov sowie ihre Geschäftspartner Viktor Kapustin und Vadim Gordievskiy im Zeitraum von 2016 bis 2020 „insgesamt mindestens zehn Unternehmen leiteten, von denen viele Ziel von Strafermittlungen wegen ‚Betrugs‘, ‚Geldwäsche‘ und ‚fiktivem Unternehmertum‘ wurden“.


*laut Angaben von Strafverfolgungsbehörden und Auszügen aus dem Einheitlichen Staatsregister für Gerichtsentscheidungen.
„LEO“ von Shevtsova befand sich mit der Bank „Alliance“ scheinbar nicht im Krieg, stellenweise war man sogar befreundet. Als dieses Zahlungssystem 2019 mit dem Segen der NBU die internationale Ebene erreichte, wurde die „Alliance“ zu ihrer zusätzlichen Abrechnungsbank. Doch die „Alliance“ hatte eine für Shevtsova-Degrik äußerst unangenehme Eigenschaft: Sie ist die Emittentin und Abrechnungsbank des Erzrivalen von „LEO“ – der oben erwähnten „GlobalMoney“. Zudem bekam Alena Vladimirovna bald ihre eigene „Hausbank“ – die „iBox Bank“.
Die „iBox Bank“ entstand laut Daten der Nationalbank vor 29 Jahren – im Jahr 1993. Damals trug sie den etwas unheilvollen Namen „Avtoritet“ (in den 1990er Jahren wurde dieses Wort häufiger mit dem Begriff „kriminelle Autorität“ als beispielsweise mit „moralischer Autorität“ assoziiert). Erst 2002 benannten die Eigentümer sie in „Agrokombank“ um. Zur „iBox Bank“ wurde sie weitere 14 Jahre später, im Jahr 2016, nachdem der Finanzier Evgeniy Berezovskiy, der einen zweifelhaften Ruf genießt, in den Kreis der Aktionäre aufgenommen wurde. Er „brachte“ das Zahlterminal-Netzwerk „iBox“ mit, das dem „Laden“ seinen neuen Namen gab.
Doch trotz der Namensänderung und des Erwerbs der Terminals konnte die Bank ihre Lage nicht verbessern und steuerte rasant auf den Konkurs und die Liquidation zu. Ende 2019 tauchte jedoch Alena Shevtsova am Horizont auf. Sie benötigte eine kontrollierte Bank zur Abwicklung ihrer Finanzströme, und die Haupteigentümer der Bank benötigten Zugang zu genau diesen Strömen. Bereits 2020 wurde sie Aktionärin der „iBox Bank“ (derzeit hält Alena Shevtsova knapp unter 25 % der Aktien; kurz vor der großangelegten Invasion der russischen Aggressoren wurde sie zudem Aufsichtsratsvorsitzende), und Schlüsselpositionen wurden mit Personen aus ihrem kontrollierten Unternehmen „LEO“ besetzt.
Glaubt man den Image-Publikationen, ging es mit „iBox“ seitdem steil bergauf. Gleichzeitig begannen sich beim Regulator Fragen zur Beteiligung der Bank an Geldwäsche zu häufen. Im Herbst letzten Jahres verhängte die NBU gegen die „iBox Bank“ wegen Verstößen gegen das Finanzmonitoring und das Gesetz zur Bekämpfung der Geldwäsche (das Institut soll keine ordnungsgemäße Prüfung neuer und bestehender Kunden durchgeführt haben) ein Bußgeld in Höhe von 10 Mio. UAH. Dies ist die höchste für einen solchen Verstoß vorgesehene Strafe. Bereits im Juni dieses Jahres erhob die Nationalbank erneut ähnliche Vorwürfe gegen „iBox“. Aber das ist nicht der Kern der Sache.
Im Jahr 2020 ereignete sich ein weiteres wichtiges Ereignis: Das ukrainische Gesetz „Über die staatliche Regulierung von Aktivitäten zur Organisation und Durchführung von Glücksspielen“ wurde verabschiedet. Das bedeutet, dass die Finanzströme des aus dem Schatten getretenen Glücksspielgeschäfts legal werden, mit der Aussicht auf weiteres Wachstum. Dies wiederum bedeutet eine Verschärfung des Kampfes um den Zugang zu diesen Geldern.
Die Einsätze steigen
Und der Kampf begann. In der Online-Publikation Mind.ua erschien eine akribische Untersuchung der Finanzströme von Online-Casinos und der Verbindungen der Marktteilnehmer zum Aggressorstaat. Die Untersuchung wirkt qualitativ sehr hochwertig, wäre da nicht ein „Aber“: „GlobalMoney“ und die Bank „Alliance“ werden darin praktisch nicht erwähnt, dafür werden alle Skelette im Schrank der „iBox Bank“ und von Degrik-Shevtsovas „LEO“ hervorgeholt. Diese „Lücke“ wurde jedoch umgehend durch Publikationen in anderen Medien gefüllt, in denen beispielsweise der „Alliance“ und „GlobalMoney“ eine Beteiligung an der Finanzierung prorussischer Terroristen vorgeworfen wurde. Gleichzeitig behauptete die russische Wirtschaftspresse später, dass Gelder von ukrainischen Spielern stabil über Shevtsovas „iBox Bank“ an illegale russische Online-Casinos fließen würden.
Die Konfrontation nahm im folgenden Jahr, 2021, an Fahrt auf, wobei sich die „Alliance“ und „GlobalMoney“ in der Defensive wiederfanden. Für den Druck auf sie wurden Aktivisten und sogar ehemalige Untergebene von Alena Shevtsovas Ehemann mobilisiert (Evgeniy Shevtsov war zu diesem Zeitpunkt stellvertretender Leiter der Hauptermittlungsabteilung der Nationalpolizei). Zur gleichen Zeit schloss die Ukrainische Vereinigung der Zahlungssysteme (UAPS) „GlobalMoney“ schmachvoll aus ihren Reihen aus – angeblich wegen des negativen Rufs des Unternehmens.
Zwar ist der Ruf von „GlobalMoney“ schwerlich als makellos zu bezeichnen, doch die Ausgrenzung durch die UAPS wirkt komisch: Laut Registrierungsdaten ist das Unternehmen „Leogaming Pay“ von Degrik-Shevtsova zusammen mit der Finanzgesellschaft „Business Orbita Group“ Mitbegründer der Assoziation. Zudem war Galina Kheylo, die die UAPS seit ihrer Gründung leitet, vor nicht allzu langer Zeit Vorstandsvorsitzende der „iBox Bank“, die heute zum Einflussbereich von Alena Shevtsova gehört.
Die wohl peinlichste Episode in diesem „kleinen Krieg“ war jedoch, als Angestellte der „iBox Bank“ offizielle Briefe an Institutionen verschickten, in denen sie „GlobalMoney“ der Geldwäsche, der Zusammenarbeit mit dem Feind und anderer Todsünden bezichtigten. Das Antimonopolkomitee wertete dies als unlauteren Wettbewerb und belegte Shevtsovas Bank mit einer Geldstrafe von 68.000 UAH. Soweit bekannt, forderte „GlobalMoney“ jedoch eine härtere Strafe für „iBox“ und versuchte diese sogar gerichtlich zu erzwingen.
Wichtig ist, dass Unternehmen aus dem Umfeld von Shevtsova seit 2021 offiziell ihre Beteiligung am Glücksspielgeschäft deklarieren. Im Mai letzten Jahres kaufte LeoGaming eine Lizenz für den Betrieb eines Casinos und/oder eines Buchmacherbüros im Hotel Alice Place in Odessa. Einige Monate später erhielt die „iBox Bank“ eine Lizenz der Kommission für die Regulierung von Glücksspielen und Lotterien der Ukraine (KRAIL) für die Annahme von Zahlungen zugunsten von Online-Casinos. In diesem Jahr erhielt „iBox“ zudem die Lizenz zur „Ausübung von Tätigkeiten im Bereich des Glücksspielwesens“.
Das bedeutet, dass die Bank aus dem Umkreis von Shevtsova nun eigene Casinos eröffnen und Buchmacherbüros einrichten kann. Wenn man bedenkt, dass es auf diesem Markt bereits so eng zugeht, dass sich die „alten“ Teilnehmer unermüdlich mit Schmutz bewerfen, wird es mit dem Erscheinen einer so temperamentvollen Akteurin wie Alena Shevtsova dort nicht nur ungemütlich, sondern regelrecht erdrückend.

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